Der Internetauftritt las sich gut. Der Immobilienverwalter mit Sitz in Berlin und Ansprechpartnern in der Stadt versprach, bei Fragen binnen 48 Stunden zu reagieren, Eigentümerversammlungen hybrid, also gleichzeitig in Präsenz und online, zu organisieren, und weckte auch mit einem Leitfaden zur korrekten Erstellung eines Protokolls Vertrauen, wie der Leser aus Frankfurt schildert. Er ist Beiratsvorsitzender einer Wohneigentümergemeinschaft (WEG) mit 36 Parteien in einem Haus im Frankfurter Stadtteil Bornheim. Die WEG entschied sich für den Anbieter, acht Monate ist das jetzt her, und bereut das inzwischen. „Die Vollkatastrophe.“ Alle Versprechen seien nicht eingehalten worden. Die Verwaltung sei telefonisch faktisch nicht erreichbar, über Wochen habe er in einer wichtigen Angelegenheit keine Antwort erhalten, moniert der Eigentümer. Die Hybrid-Versammlung sei technisch stümperhaft organisiert worden, Zuhörer von außen hätten vieles nicht mitbekommen. Das Protokoll der Eigentümerversammlung sei zu spät vorgelegt worden, sodass die Eigentümer nicht mehr korrigierend hätten eingreifen können. Dabei seien Inhalte „teils verstörend fehlerhaft“ wiedergegeben worden. Wichtige Informationen für Eigentümer, die bei der Versammlung fehlten, seien gar nicht enthalten gewesen. Darüber hinaus habe die Hausverwaltung wichtige Formalitäten nicht erledigt, wie das Einpflegen der aktuellen Eigentümeradressen – Grundlage für die Einladung zur Eigentümerversammlung. Ebenso seien Dienstleister nicht über den Wechsel der Hausverwaltung informiert worden. Handwerker warten auf ihr Geld Wie sich herausstellte, wurde in den zurückliegenden Monaten kein Wassergeld gezahlt. Noch härter allerdings trifft die Eigentümergemeinschaft, die eine umfangreiche Sanierung mit einigen Hunderttausend Euro vor der Brust hat – in dem Sechzigerjahre-Komplex sind die Heizungs- und Wasserrohre inzwischen brüchig und müssen erneuert werden –, dass die Hausverwaltung offene Handwerkerrechnungen nicht beglichen hat. „Die Handwerker sagen jetzt: Wir arbeiten nicht mehr für Euch“, sagt der Beiratsvorsitzende. Die Auseinandersetzung mit der Hausverwaltung koste ihn neben seinem eigentlichen Beruf viel Zeit und Nerven. Es ist ein Ehrenamt, der Vorsitzende erhält nur eine kleine Aufwandsentschädigung im Jahr. Die Eigentümergemeinschaft will gerichtlich gegen das Unternehmen vorgehen und ist bereits auf der Suche nach einer anderen Verwaltung. Rund 1,8 Wohneigentümergemeinschaften gibt es nach Schätzung von Branchenverbänden in Deutschland mit rund neun Millionen Wohnungen. Zwar gibt es keine gesetzliche Verwalterpflicht. Doch ohne einen professionellen Dienstleister kämen viele Hausgemeinschaften nicht zurecht. Die Hausverwalter kümmern sich um Abrechnungen, Handwerker und Reparaturen, und sie organisieren die Eigentümerversammlungen. Dafür zahlen Eigentümer einen festen Betrag im Monat. Martin Kaßler, Geschäftsführer beim Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV), mit 4100 Mitgliedsunternehmen Spitzenverband der Branche, gibt als Richtung für die monatliche Grundvergütung zwischen 30 und 40 Euro je Eigentümer vor. Diese deckt oft nur die Standardverwaltung ab. Extraaufgaben, etwa bei Sanierungen, werden dann über Sonderumlagen vergütet. Die Abrechnungsmodelle sind recht unterschiedlich, der Vergleich von Angeboten ist für Eigentümer, die auf der Suche sind, daher eine knifflige Aufgabe. Kleine Häuser finden kaum noch eine Hausverwaltung Allerdings geben immer mehr Verwalter auf oder nehmen keine neuen Verträge mehr an. Wie überall fehlen Fachkräfte und Nachfolger. Die Situation habe sich in den vergangenen Jahren zugespitzt, sagt Sandra von Möller, Vorständin des Verbands Wohnen im Eigentum, der die Interessen und Rechte von Wohnungseigentümern und deren Gemeinschaften in Deutschland vertritt, 16.000 sind das. Die unabhängige Organisation ist Mitglied im Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Wir stellen fest, dass es vor allem für kleine Eigentümergemeinschaften schwierig ist, noch einen professionellen Verwalter zu finden“, sagt von Möller. Es gebe insgesamt zu wenige Verwalter. Und die, die am Markt seien, kümmerten sich lieber um große Liegenschaften mit vielen Eigentümern, weil sich das für die Unternehmen eher rechne. Eine Alternative sieht der Verband in der Selbstverwaltung kleinerer WEG und bietet dazu für seine Mitglieder eine Software und Informationsrunden an. Von Möller ist überzeugt, dass sich das Hausverwaltergeschäft „durchaus profitabel betreiben lässt“. Früher hätten Verwalter Exceltabellen händisch führen müssen, heute lasse sich die Arbeit digital erledigen. „Es gibt für viele Bereiche eine Software, die Arbeitsprozesse erleichtert.“ Gleichwohl sei der Beruf des Verwalters anspruchsvoll. Er müsse sich auf vielen Gebieten auskennen: mit der Gesetzeslage, mit der Gebäudetechnik und Buchhaltung, und er müsse in der Lage sein, Gespräche zu moderieren und Konflikte zu beseitigen. „Das sind hohe Anforderungen und eine große Verantwortung.“ Als Hausverwalter oder Immobilienverwalter kann sich jeder in Deutschland bezeichnen und ein Gewerbe anmelden. Der Beruf ist gesetzlich nicht geschützt, das heißt, er ist nicht an eine bestimmte Ausbildung oder Qualifikation gebunden. Immerhin haben Eigentümergemeinschaften inzwischen das Recht, einen zertifizierten Verwalter zu verlangen. Der Nachweis erfolgt durch eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK), in der rechtliche, kaufmännische und technische Kenntnisse nachzuweisen sind. Laut Kaßler vom VDIV haben nur 15 Prozent der Verwalter ein solches Zertifikat. Verbände kritisieren Pläne, Fortbildungspflicht abzuschaffen Der Immobilienverwalter-Verband hatte sich seinerzeit für einen IHK-Sachkundenachweis als zwingende Voraussetzung für die Ausübung des Berufs eingesetzt. Das wurde ablehnt. Stattdessen kam die Fortbildungspflicht mit der Vorgabe, dass 20 Stunden in drei Jahren absolviert werden müssen. „Das ist viel zu wenig“, sagt Kaßler im Hinblick auf neue anspruchsvolle Themen wie smarte Haustechnik oder die Gebäudemodernisierung. Dabei gehen die aktuellen Pläne der Bundesregierung in eine ganz andere Richtung. Sie will im Zuge des Bürokratieabbaugesetzes die Weiterbildungspflicht ganz abschaffen. Die Verbände der Branche haben sich deutlich dagegen positioniert. Sandra von Möller von Wohnen im Eigentum plädiert sogar für einen eigenen Ausbildungsberuf. „Das wäre eine verlässliche Grundlage für den Verwalterberuf“ und könne auch dabei helfen, junge Leute für den Beruf zu interessieren, sagt sie. Das Durchschnittsalter in der Branche liege bei 50 Jahren. In einer repräsentativen Umfrage des Verbands unter knapp 1800 WEG hatten mehr als ein Drittel der Befragten angegeben, ihnen seien schon einmal Schäden durch fehlerhaftes Verhalten der Verwaltung entstanden, in 60 Fällen ging es um die Veruntreuung von Geld. Erst vor Kurzem hatte die Frankfurter Staatsanwaltschaft einen Hausverwalter festgenommen, dem vorgeworfen wird, über den Zugriff auf Hausgeld-, Giro- und Rücklagenkonten eine Summe von 770.000 Euro veruntreut zu haben. Doch wie findet man eine seriöse Verwaltung? Persönliche Empfehlungen sind immer ein erster Schritt. Wer sucht, sollte sich bei anderen Eigentümern umhören. Werden Jahresabrechnungen rechtzeitig vorgelegt? Haben die Unternehmen Ansprechpartner in der Stadt? Wie sind diese qualifiziert? Checklisten mit Adressen kann man bei den VDIV-Landesverbänden einsehen. Wer dort gelistet ist, betreut mindestens 250 Wohneinheiten, besitzt ein Zertifikat und muss die Arbeit neben diversen anderen zu erfüllenden Kriterien, wie der Vorlage einer Berufshaftpflicht, hauptberuflich ausüben. Das ist laut Sandra von Möller „kein Garant für Professionalität, aber ein erster Anhaltspunkt“. Nach Auskunft des hessischen VDIV-Landesverbands wird einem Unternehmen, das seine Pflichten verletzt oder im schlimmsten Fall Geld veruntreut, die Mitgliedschaft entzogen. Beim Verbraucherschutzverband Wohnen im Eigentum können Eigentümer, die Mitglied im Verband sind – eine WEG-Mitgliedschaft kostet unabhängig von der Zahl der Eigentümer 110 Euro im Jahr –, seit neuestem Hausverwaltungen bewerten und die Erfahrungen anderer Mitglieder einsehen. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Hausverwaltung? Haben Sie gute Erfahrungen gemacht oder ähnlich schlechte wie der Eigentümer aus Frankfurt? Schreiben Sie uns gerne unter forum@faz.de.
